Der Schäfflertanz ist eines der markantesten traditionellen Kulturereignisse Bayerns. Ursprünglich in München beheimatet und erstmals 1702 dokumentiert, wird er alle sieben Jahre während der Karnevalszeit aufgeführt – zuletzt 2019 und erneut 2026.
Der Tanz wurde ursprünglich von Fassmachern aufgeführt, den geschickten Handwerkern, die Holzfässer für Bier und Wein herstellten. Über Jahrhunderte durften nur unverheiratete Gesellen von gutem Ruf teilnehmen. Seit den 1960er Jahren wurde die Teilnahme ausgeweitet, um die Tradition zu bewahren.
Einer populären Legende zufolge begann der Tanz 1517 während der Pest. Den Berichten nach tanzten die Fassmacher durch Münchens Straßen, um verängstigte Bürger zu ermutigen, ihre Häuser zu verlassen und das öffentliche Leben wiederzubeleben. Historiker diskutieren über die historische Genauigkeit, doch die Symbolik von Hoffnung und Erneuerung bleibt zentral.
Die Aufführung folgt einer strukturierten Abfolge choreographierter Figuren:
Einzugsmarsch begleitet von traditioneller bayerischer Musik
Die Schlange, symbolisiert die Pest
Die Laube, stellt Menschen dar, die sich ängstlich zusammenfinden
Das Kreuz, Ausdruck von Glauben und Hoffnung
Die Krone, Symbol der regierenden Wittelsbacher Dynastie
Vier kleine Kreise, symbolisieren das Wiederaufleben des Lebens
Changieren, Ausdruck von erneuter Freude und sozialer Wiederverbindung
Reifen-Schwingen, bei dem ein Tänzer auf einem Fass steht und einen Holzreifen mit einem vollen Weinglas balanciert
Die Tänzer tragen traditionelle Kostüme im Stil des 19. Jahrhunderts: rote Jacken, schwarze Kniebundhosen, weiße Strümpfe und grüne Mützen mit weißen Federn. Weitere Rollen umfassen komische Figuren, Fass-Trommler und Haupttänzer.
Ab etwa 1830 verbreiteten reisende Gesellen den Brauch in Oberbayern und der Bayerischen Schwaben. Heute halten viele Städte den Sieben-Jahres-Zyklus aufrecht.
Mehr als Folklore verkörpert der Schäfflertanz Handwerkskunst, kulturelle Kontinuität und kollektive Resilienz. Für ein internationales Publikum bietet er einen einzigartigen Einblick in die lebendigen Traditionen Süddeutschlands – wo Geschichte, Symbolik und Feier zusammentreffen.
In Altötting führte eine lokale Schäfflertanzgruppe ihre traditionellen Tänze auf. Danach ist es Brauch, dass der Gastgeber einen Drink anbietet. Mit Blick auf europäische Freundschaften lud Bürgermeister Stephan Antwerpen die Tänzer und Musiker auf ein Glas Ginginja (süßer Kirschlikör) aus Ourém (Portugal) und ein Glas Kräuterlikör aus Mariazell (Österreich) ein.