Die Krampusse kommen! Wart ihr brav?

Malerschön in der Steiermark gelegen, ist Mariazell der wichtigste Wallfahrtsort Österreichs und einer der stimmungsvollsten Alpenorte. Umgeben von Bergen zieht es nicht nur Pilger, sondern auch Touristen an, die lokale Traditionen kennenlernen, die festliche Atmosphäre genießen und regionale Bräuche erleben möchten.

In der Adventszeit verwandelt sich Mariazell in ein wahres Reich der Magie und Märchen. Auf dem Marktplatz erklingen Weihnachtslieder, es duftet nach Lebkuchen und Glühwein, und nach Einbruch der Dunkelheit beginnt das, worauf alle warten – der Umzug der traditionellen Krampusse, zottelige, gehörnte Gestalten, die seit Jahrhunderten Teil der alpenländischen Folklore sind. Jedes Jahr am 6. Dezember warten alle Kinder ungeduldig auf den Heiligen Nikolaus, der ihnen Geschenke und Süßigkeiten bringt – natürlich nur, wenn sie das ganze Jahr über brav waren. In den Alpenregionen kommt Nikolaus jedoch nie allein. Ihn begleiten seine dunklen Helfer – die Krampusse. Und obwohl ihr furchterregendes Aussehen Angst einflößt, sind sie heute genauso beliebt wie der Heilige Nikolaus selbst – geliebt von Kindern und Erwachsenen, die jedes Jahr voller Vorfreude auf ihren spektakulären Auftritt warten.

Am Abend des 22. November kommen sie nach Mariazell. An diesem Tag präsentieren regionale Krampusgruppen handgeschnitzte Masken mit Hörnern und beeindruckende Fellkostüme und schaffen so ein unvergessliches Schauspiel. Begleitet werden sie vom lauten Klang der Kuhglocken, dem Rasseln der Ketten, Feuer, Lichtern und Musik – und die Stadt verwandelt sich in eine Bühne wie aus alpenländischen Legenden.

Die Gestalt des Krampus hat eine lange Geschichte, die bis in vorchristliche Zeiten zurückreicht, als man an die Existenz dämonischer Wesen glaubte, die für Fruchtbarkeit und den Schutz der Häuser verantwortlich waren. Der Name „Krampus“ kommt vom bairischen Wort Krampen, was „Klaue“ bedeutet, und diese Figuren stellen den düsteren Gegenpol zum gutmütigen Heiligen Nikolaus dar. Während der alte Mann mit dem langen weißen Bart die braven Kinder belohnt, erinnern seine teuflischen Begleiter daran, dass schlechtes Verhalten bestraft werden kann.

Heute ist der Krampus ein Symbol humorvoller Festtradition, doch seine Präsenz verleiht den Adventsfeiern nach wie vor einen einzigartigen Charakter.

Der traditionelle Krampuslauf in Mariazell – der Höhepunkt des Umzugs – ist einer der berühmtesten in ganz Österreich. Jedes Jahr reisen Gruppen aus der gesamten Steiermark, aus Niederösterreich und Salzburg an, um an diesem teuflischen Zug teilzunehmen. Jede Gruppe hat ihre eigenen charakteristischen Masken, Kostüme und Bräuche. Manche Krampusse jagen sogar ausgewählte Zuschauer – natürlich im Sinne des Spaßes.

Die Veranstaltung zieht zahlreiche Besucher an, die dieses leicht unheimliche, aber energiegeladene Spektakel mit Faszination beobachten. Die typischen Geräusche, die schaurigen Gesichter und das Licht der Feuerstellen schaffen eine Atmosphäre, die mit nichts anderem vergleichbar ist.

Die Krampus-Tradition endet nicht in Mariazell. Ähnliche Umzüge finden in der gesamten Alpenregion statt, beispielsweise in Altötting in Bayern oder in Einsiedeln in der Schweiz. Überall dort ist der Krampus ein Symbol des winterlichen Brauchtums, das trotz seiner düsteren Natur Freude und Spannung mit sich bringt.

Wer die Atmosphäre eines authentischen Alpenadvents spüren, lebendige Tradition erleben und Emotionen erfahren möchte, die man sonst nirgendwo findet – für den ist Mariazell im November und Dezember ein absolutes Muss. Hier erwarten euch nicht nur Krampusse und der Heilige Nikolaus, sondern auch wunderschöne Landschaften, regionale Köstlichkeiten und die unvergleichliche österreichische Gastfreundschaft.
Und wenn ihr brav wart – habt ihr nichts zu befürchten!

 

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